USA
Das Geo-Heat Center des Oregon Institute of Technology in Klamath Falls / Oregon wurde 1975 als Folge einer internationalen Konferenz zum Thema „Geothermische Wärmeerzeugung“ gegründet und blickt auf über 30 Jahre Energieforschung zurück. Das Interesse an einem Austausch und einer Verbreitung von Forschungsergebnissen über geothermische Wärmeerzeugung führte zur Gründung des Institutes. Die vorrangigen Ziele des Geo-Heat Centers sind die Weitergabe von Informationen über den Einsatz von geothermischen Energieversorgungssystemen an potentielle Erdwärmenutzer, die angewandte Forschung zur Nutzbarmachung von Niedertemperatur Ressourcen sowie der Herausgabe eines vierteljährlich erscheinenden Newsletters über die Verbreitung und Entwicklung von geothermischen Anlagensystemen. Eine Vielzahl von Projekten wurde durch das GeoHeat-Center begleitet und dokumentiert, wodurch eine hohe Kompetenz insbesondere bei der Auslegung untertägiger Anlagenteile und der Wärmeverteilung aufgebaut wurde.
Im Frühjahr 2007 wurde ein erster WissenschaftlerInnen Austausch mit dem Geo-Heat Center in Oregon durchgeführt. Eine Wissenschaftlerin des Graduiertenkollegs AGES verbrachte im Rahmen eines DAAD-Stipendiums einen Forschungsaufenhalt in Klamath Falls.
US-Markt für geothermische Energiegewinnung expandiert
Zahlreiche Projekte in der Entwicklungsphase / Erheblicher Schub durch das Megakonjunkturpaket erwartet / Von Christian Janetzke
Köln (gtai) - Die Energiegewinnung aus Erdwärme findet in den USA aufgrund erfolgversprechender Technologiefortschritte sowie staatlicher Fördermaßnahmen zunehmend die Aufmerksamkeit von Investoren und Herstellern. Zahlreiche Projekte zeugen von der Nachhaltigkeit des Aufschwungs. Der Sektor ist bisher weitgehend in Kalifornien konzentriert, aber auch in Nevada sind zahlreiche große Vorhaben in der Entwicklungsphase. Das Megakonjunkturpaket vom Februar 2009 beinhaltet umfangreiche Fördermaßnahmen für die Branche.
Auf der Renewables Energy World Conference & Expo 2009 Mitte März in Las Vegas, Nevada zeigte sich Karl Gawell, Geschäftsführer der Geothermal Energy Association (GEA), äußerst zufrieden mit der derzeitigen Entwicklung in der US-Geothermiebranche. Grund zur Freude bietet die aktuelle Branchenanalyse der GEA vom März 2009: Der Verband registrierte einen erneuten Anstieg der installierten Kapazität mit einem Überschreiten der 3.000-MW-Grenze. Derzeit wird in acht der 50 US-Bundesstaaten Energie aus geothermischen Ressourcen generiert.

Die Kapazität hat sich gegenüber der letzten Branchenanalyse der GEA vom August 2008 - trotz gesamtwirtschaftlicher Rezession - von 2.950 MW um rund 3,1% erhöht. Die USA sind somit mit einem Anteil von etwa 30% der weltweit größte Erzeuger von geothermischer Energie. Der Anteil am Energiemix der USA liegt derzeit bei beinahe 0,5%.
Die geothermische Energiegewinnungsbranche in den USA ist in Kalifornien konzentriert. Rund 86% der erzeugten MW stammen aus diesem Bundesstaat. Die Kraftwerke zur Nutzung der Erdwärme stellten 2007 etwa 4,5% der Stromerzeugung Kaliforniens (rund ein Drittel der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen). "The Geysers", ein Netzwerk an 22 geothermischen Kraftwerken, in den Mayacams Mountains nördlich von San Francisco, ist der weltweit größte geothermische Komplex.
Während sich die installierte Kapazität in den letzten Jahren nur in kleinen Schritten erhöhte, wird anhand der bestätigten Projekte der Aufschwung der Branche deutlich erkennbar: Im März 2009 waren 121 Vorhaben mit einer Gesamtkapazität zwischen 3.545,6 MW und 5.487,4 MW in der Entwicklungsphase, was den Energiebedarf von etwa 3,5 Mio. bis 5,5 Mio. Haushalten decken könnte. Im Vergleich zum August 2008 hat sich die Anzahl der bestätigten Projekte damit um etwa 25% erhöht. Nach deren Realisierung wird sich die installierte Kapazität innerhalb der nächsten fünf Jahre mehr als verdoppeln. Die GEA schätzt das Investitionsvolumen der Vorhaben auf 14 Mrd. bis 16 Mrd. US$.

Wachstumstreiber der Branche sind, gemäß einer Marktanalyse des Industrieberatungsunternehmens "Emerging Energy Research" vom Mai 2009, zum einen die Richtquoten für erneuerbare Energien ("Renewable Portfolio Standards"; RPS). RPS existieren derzeit in 30 US-Bundesstaaten: Bis 2010 müssen beispielsweise die Stromversorger in Kalifornien 20% der Elektrizität aus erneuerbaren Energien erzeugen. Nevadas Stromversorger müssen die gleiche Richtquote bis 2015 erreichen. Stimulierung erhält die Branche zudem, laut Branchenreport, durch die zunehmend fluktuierenden Preise für konventionelle Energieressourcen und den Wandel in der US-Energiepolitik mit einer Abwendung von kohlebefeuerten Kraftwerken hin zur verstärkten Förderung erneuerbarer Energien.
Das Mitte Februar 2009 verabschiedete, rund 787 Mrd. US$ umfassende Konjunkturprogramm (American Recovery and Reinvestment Act of 2009) dürfte der Branche zusätzlichen Auftrieb verleihen, so der Geschäftsführer der GEA. Es sieht unter anderem 16,8 Mrd. US$ für das Office of Energy Efficiency and Renewable Energy (EERE) des US-Energieministeriums (Department of Energie, DOE) vor. Etwa 2,5 Mrd. US$ sollen EERE-Programme zur Forschung und Entwicklung sowie Einrichtungen innovativer Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien unterstützen. Dazu gehören 400 Mio. US$ für das Geothermal Technologies Program (www1.eere.energy.gov/geothermal). Dieses entwickelt und fördert in Zusammenarbeit mit der Industrie zukunftsfähige Technologien, um die geothermische Energiegewinnung als eine bedeutende Quelle der Energieproduktion des Landes zu etablieren.
Im Fokus des Programms stehen die "Enhanced Geothermal Systems" (EGS). Konventionelle geothermische Energiegewinnungssysteme müssen in der Nähe von leicht erreichbaren geothermischen Ressourcen lokalisiert sein, mittels EGS ist eine Energiegewinnung auch in bisher nicht erschließbaren Gegenden möglich. Ein Ziel des Geothermal Technologies Program ist es, die EGS-Technologie bis 2015 zur kommerziellen Reife zu bringen.
Die EGS-Technologie steckt noch in den Kinderschuhen, der U.S. Geological Survey (USGS) vom September 2008 zeigt jedoch die enormen Chancen: Demnach könnten mit den derzeitig identifizierten konventionellen geothermischen Ressourcen etwa 9.057 MW an Strom produziert werden, mittels EGS wäre jedoch eine Generierung von etwa 517.800 MW möglich. Laut dem Future of Geothermal Energy Report aus dem Jahr 2006 des Massachusetts Institute of Technology könnten mit dieser Technologie 2050 mittels Investitionen in Höhe von 1 Mrd. US$ rund 100 GW aus geothermischen Energiequellen in das US-Elektrizitätsnetz eingespeist werden.
Um diese Potenziale auszuschöpfen, entwickelt das US-Energieministerium in Nevada in Zusammenarbeit mit Ormat Technologies Inc. das erste kommerzielle Projekt im Land, in dem ein EGS zur Anwendung kommt. Das DOE hat rund 5 Mio. US$ in das Vorhaben investiert. Geplant ist, mit dieser Technologie 5 MW an zusätzlicher Kapazität in der Desert Peak-Anlage von Ormat Technologies Inc. zu produzieren. Das Projekt hat eine wegweisende Bedeutung, weil es die kommerzielle Nutzung von EGS demonstrieren soll.
Am 4.3.09 kündigte US-Energieminister Steven Chu zwei Finanzierungsmöglichkeiten (Funding Opportunity Announcements) an, um die Entwicklung von EGS zu forcieren. Über sechs Jahre verteilt, verfügen sie zusammen über ein Volumen von rund 84 Mio. US$. Das DOE vergibt in diesem Rahmen finanzielle Mittel für die Förderung fortschrittlicher EGS-Technologie sowie für Pilotprojekte. Mehr Informationen zu den
Finanzierungsmöglichkeiten finden sich in der Presseerklärung des DOE unter
www.energy.gov/news2009/6961.htm
Viele (potenzielle) Investoren sehen sich derzeit mit Finanzierungsproblemen bei den teilweise kostenintensiven Projekten konfrontiert. Die Beschaffung von Investitionskrediten erweist sich aktuell als wesentlich schwieriger als noch vor einigen Jahren. Das Megakonjunkturpaket trägt auch dieser Tatsache Rechnung und schafft eine hohe Flexibilität bei den Fördermaßnahmen: Die Steuergutschrift für jede erzeugte Kilowattstunde (Production Tax Credit, PTC) aus geothermischen Anlagen wurde bis 2013 verlängert. Zuvor waren bei diesem Instrument ein- bis zweijährige Verlängerungen die Regel, was eine kontinuierliche Entwicklung der Branche erschwerte. Alternativ zum PTC kann nun auch eine 30%ige Investitions-Steuergutschrift (Investment Tax Credit, ITC) oder, unter bestimmten Voraussetzungen, ein entsprechender Barzuschuss des US-Finanzministeriums in Anspruch genommen werden.
Gawell ist höchst erfreut über diese Fördermaßnahmen. Sie seien aufgrund der Lage auf den Finanzmärkten von besonderer Wichtigkeit, denn auch in der boomenden Branche mussten in den letzten Monaten einige kleinere Unternehmen aufgrund finanzieller Schwierigkeiten von Projekten Abstand nehmen, so der Geschäftsführer der GEA. Optimistisch stimmen ihn diese Incentives vor allem in Kombination mit den finanziellen Mitteln aus dem Konjunkturpaket für das Geothermal Technologies Program. Dadurch seien in den nächsten Jahren erhebliche Fortschritte in der Technologieentwicklung zu erwarten.
Neben den Fördermaßnahmen auf Bundesebene sind die, teilweise sehr lukrativen, Incentives der einzelnen US-Bundesstaaten zu berücksichtigen. Die "Database of State Incentives for Renewables & Efficiency" (DSIRE, www.dsireua.org) gibt einen umfassenden Überblick über die finanzielle Anreize der einzelnen Bundesstaaten - auch bezogen auf Geothermie.
Von der unter der Obama-Administration forcierten Förderung erneuerbarer Energien dürfte ein zusätzlicher Schub für die Branche ausgehen: Die US-Regierung plant, neben den schon geltenden Fördermaßnahmen, ab 2012 jährlich 15 Mrd. US$ zusätzlich in den Sektor der erneuerbaren Energien fließen zu lassen, also 120 Mrd. US$ bis 2019. Zudem plant die Obama-Administration ein nationales Emissionshandelssystem (Cap and Trade) mit dem angestrebt werden soll, die US-Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80% zu senken. Ein Cap- and Trade-System könnte dazu beitragen, dass sich die Kosten der Nutzung fossiler Brennstoffe signifikant erhöhen. Dies wäre, vor dem Hintergrund in der 2. Jahreshälfte 2008 stark gesunkener Erdgas- und Erdölpreise, für die Konkurrenzfähigkeit der Branche ausschlaggebend.
Zudem ist vorgesehen, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Gesamtstromerzeugung bis 2012 auf 10% und bis 2025 auf 25% zu steigern (2007: rund 8%). Letzteres könnte etwa über die Einführung eines landesweiten Quotensystems für die Elektrizitätsversorgung, eines sogenannten "Renewable Portfolio Standard", erreicht werden. Entsprechende Initiativen wurden bereits in den US-Kongress eingebracht.
Im Oktober 2008 gab zudem das Innenministerium (U.S. Department of the Interior) bekannt, 190 Mio. acre (1 acre = 4.046 qm) Bundesfläche an Unternehmen zu vermieten, die die Errichtung geothermischer Kraftwerke planen. Der damalige US-Innenminister Dick Kempthorne begründete diese Maßnahme damit, dass die geothermische Energie eine entscheidende Rolle in der zukünftigen Energieversorgung spielen wird und dass 90% der geothermischen Ressourcen auf Staatsflächen zu finden sind. Angestrebt wird, auf diesen Gebieten bis 2015 geothermische Energieerzeugungskapazitäten von zusätzlichen 5.540 MW zu installieren.
Jan Wiedemann, Geschäftsführer der AHK Houston, zeigte sich gegenüber Germany Trade & Invest sehr optimistisch, dass die Branche durch die staatlichen Fördermaßnahmen einen wesentlichen Schub erhält. Dieser könne sich noch verstärken, wenn der Markt für große Ölfirmen interessant würde. Derzeit, so Wiedemann, betrachten diese das Geschäftsfeld Geothermie noch abwartend, aber beispielsweise bei Fortschritten bei der EGS-Technologie könne das Interesse schnell geweckt sein. Die Ölkonzerne hätten zudem auch die finanziellen Mittel, den Markt zu erschließen und verfügen bei den Bohrungen, auch in tieferen Schichten, über das notwendige know-how.
Um als ausländisches Unternehmen den Markt zu erschließen, halten Branchenexperten ein Engagement vor Ort für unerlässlich. Die Münchner e.terras AG ist 2009 mit einer Vertriebspräsenz in den US-Markt eingestiegen und plant darüberhinaus, in den USA mit strategischen Partnern ein eigenständiges Unternehmen aufzubauen. Die Firma ist bereits im europäischen und asiatischen Markt tätig und errichtet schlüsselfertige geothermische Kraftwerke. Herbert Schambeck, Vorstandsvorsitzender der Firma, setzt seine Hoffnungen vor allem auf die in dem Megakonjunkturpaket enthaltenen Fördermaßnahmen für die Geothermiebranche.
Mit Produktionskosten von 5 bis 8 U.S.-Cents pro kwh ist die geothermische Energie, so Schambeck, wettbewerbsfähig mit Wind- und deutlich günstiger als Solarenergie. Somit handele es sich, auch unabhängig von staatlicher Subventionierung, um ein attraktives Geschäftsfeld. Ein weiterer Grund, den Markt zu betreten, ist die Konkurrenzsituation: Laut Schambeck sind bisher keine Anbieter von schlüsselfertigen geothermischen Kraftwerken im US-Markt aktiv.
Für den konkreten Markteintritt bietet es sich zur Markterkundung und Kontaktanbahnung an, als Aussteller an einer Messe teilzunehmen. Die wichtigsten Veranstaltungen in diesem Sektor hat die GEA auf Ihrer Internetseite aufgelistet. Die Geothermal Energy 2009 Expo in Reno, Nevada, vom 4.6. bis 7.6.09, ist die
bedeutendste Messe der US-Branche.

©2009 Germany Trade and Invest




