Energiesystemtechnik: Schulterschluss von Wirtschaft und Wissenschaft an der Ruhr

Meldung vom 30.01.06

Zur ersten Beiratssitzung des Instituts für angewandte Energiesystemtechnik trafen sich am Dienstag, den 24. Januar, Vertreter aus Industrie und Wissenschaft. Prof. Dr. Rolf Bracke aus Bochum (4.v.l.) und Prof. Dr. Michael Brodmann aus Gelsenkirchen (5.v.r.) sind die beiden Institutsdirektoren. (Foto: FH Gelsenkirchen/SB, Abdruck honorarfrei)

Das gemeinsame Institut für angewandte Energiesystemtechnik Ruhr (ESYS) der Fachhochschulen Bochum und Gelsenkirchen hat den Schulterschluss mit der Energiewirtschaft vollzogen.

In der vergangenen Woche tagte zum ersten Mal der technisch-wissenschaftliche Beirat des Instituts. Dieser wurde besetzt aus Unternehmensvertretern sowie Professoren der beiden Trägerhochschulen.

Erste Leitprojekte aus der Anwendungsforschung in NRW von der Geothermie bis zur Brennstoffzelle wurden vorgestellt.

 

Bochum und Gelsenkirchen. Die Aufgabe des Instituts für angewandte Energiesystemtechnik Ruhr - ESYS – ist die Entwicklung anwendungsreifer Energiesysteme. Diese sollen eine umweltgerechte und Rohstoffe sparende Versorgung mit Strom, Wärme und Treibstoffen der Zukunft ermöglichen. Mit der hochschulübergreifenden und industrienahen Anwendungsforschung an komplexen Systemen wird die traditionelle Ingenieurkompetenz des Ruhrgebietes auf dem Energiesektor weiter ausgebaut.

Gegründet haben das Institut 16 Professoren der Fachhochschulen Bochum und Gelsenkirchen aus den Bereichen der Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften. Seit kurzem bündeln sie über einen Beirat zusätzlich ihr Wissen mit Vertretern aus den Vorstände der Unternehmen Deutsche Steinkohle, Siemens, MAN-Turbo, Eon-Engineering sowie einiger Ruhrgebiets-Stadtwerke von Oberhausen bis Dortmund.

Am Dienstag fand in Gelsenkirchen die erste Beiratssitzung statt. Unter der Leitung der beiden Institutsdirektoren Prof. Dr. Rolf Bracke, dem künftigen Pro-Rektor für Forschung und Entwicklung der Fachhochschule Bochum und des Gelsenkirchener Professors Dr. Michael Brodmann formulierten die Energie-Experten aus Industrie und Hochschule ihre Erwartungen und Wünsche an das neue Institut. Gesucht werden vorzugsweise „die Systemlösungen von morgen als die von übermorgen“. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der „Kontinuisierung von diskontinuierlich anfallenden Energien“. Mit Prof. Klaus Steilmann wurde einer der Grandseigneurs der Ruhrgebietswirtschaft zum Koordinator auf der Unternehmensseite gewählt.

Vorgestellt wurden erste Projekte und Entwicklungen. So laufen an der Fachhochschule Bochum im Bereich der Erdwärme-Forschung bereits umfangreiche Projekte im In- und Ausland. Als Beispiele zur Versorgung ganzer Stadtteile wurden das „Nordlicht-Projekt“ in Bottrop-Kirchhellen, die „Hattinger Südstadt“ und das „Phoenix-Projekt“ in Dortmund erläutert. Die Bochumer Wissenschaftler koordinieren zudem die Begleitforschung beim geplanten Bau des mit 25 MW größten deutschen Geothermiekraftwerkes zur Stromerzeugung in Brandenburg.

Auch im Ausland ist das know-how der Ruhrgebietsforscher sehr gefragt wie Prof. Bracke erläuterte: so sei man eingebunden in das EU-Minewater-Projekt zur Nutzung warmer Grubenwässer aus stillgelegten Steinkohlezechen in Holland, Schottland und Polen. Sechs ungarische Städte wollen gemeinsam mit ESYS eine geothermische Energieversorgung im Strom- und Wärmebereich realisieren. Aber auch am anderen Ende der Welt ist das Ruhrgebiet forschungsseitig präsent: so erstellen Bochumer Geothermie-Wissenschaftler gegenwärtig im Auftrag der chilenischen Regierung eine Studie zum Bau von Geothermie-Kraftwerken im Andenstaat.

In Gelsenkirchen haben Prof. Brodmann und sein Team gerade eine Brennstoffzelle entwickelt, die sich im Vergleich zu bisherigen Brennstoffzellen durch bessere Materialeigenschaften und eine besonders stabile und effiziente Betriebsweise bei deutlich verminderten Produktionskosten auszeichnet. Ein weiteres Projekt des Instituts für angewandte Energiesystemtechnik ist die Entwicklung von Wärmeschutzbeschichtungen für Turbinenschaufeln, die ebenfalls kostengünstig hergestellt werden sollen.

Zukunftsforschung ist dagegen ein Projekt zur Strukturaufklärung der Erde mittels Kernmagnetresonanz-Spektrometrie (NMR). Ähnlich wie in der Medizintechnik wird die Erde über die Anlegung eines elektrisch erzeugten Magnetfeldes bis in 1000m Tiefe „durchleuchtet“, wie Projektleiter Prof. Löffler erläuterte. Neben der Erkundung von Erdöl- und Gaslagerstätten sowie CO2-Speichern soll das Verfahren der Erkundung geothermischer Reservoirs dienen.  

Die Wirtschaftsführer zeigten sich beeindruckt über den Grad der Konkretisierung in der Anwendungsforschung. Abschließend wurde über die neuen Masterstudiengänge Civil Engineering (Bochum) und Energiesystemtechnik (Gelsenkirchen) diskutiert, die vom neuen Institut inhaltlich bedient werden. Ein regelmäßiger Austausch im Beirat soll von nun an auch eine Wirtschafts- und Praxisnähe in Lehre und Forschung gewährleisten.



Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:

Prof. Dr. Rolf Bracke

Institut für angewandte Energiesystemtechnik Ruhr - ESYS
c/o Fachhochschule Bochum,
Telefon (0234) 32 10233, Telefax (0234) 32 14890,
rolf.bracke@fh-bochum.de

 

Prof. Dr. Michael Brodmann

Institut für angewandte Energiesystemtechnik – ESYS
c/o Fachhochschule Gelsenkirchen,
Telefon (0209) 9596-828 oder 9596-190 (Dekanatssekretariat), Telefax (0209) 9596-829,  michael.brodmann@fh-gelsenkirchen.de


Zusätzliche Information

Jetzt bookmarken

google.comlive.comdigg.comMister Wong