Kompetenzzentren für Geothermie in Deutschland und Chile verbünden sich

Hernan Olguin – Austauschstudent und Doktorand, der für 4 Jahre in der Geothermiestadt Bochum an seiner Doktorarbeit arbeiten wird.
Warum teures Geld für den Import von Energierohstoffen ausgeben, wenn das eigene Land reichlich damit versorgt ist? Warum soll man sich vom Ausland abhängig machen, wenn man sich autark mit Strom versorgen kann? In Chile und im gesamten Andenraum sind die geologischen Voraussetzungen zur Nutzung der Geothermie besonders gut. Über 20% der aktiven Landvulkane der Erde ragen in Chile in die Höhe. Sie sind auch zu Stein gewordene Beweise für ein gewaltiges Potenzial, das im Untergrund nur darauf wartet, endlich zum Nutzen der chilenischen Volkswirtschaft eingesetzt zu werden. Zu 100% könnte geothermische Energie das Land versorgen - tatsächlich beschränkt sich die wenige Nutzung auch 2010 nur auf Thermalbäder und Thermalquellen.
Geothermie ist eine der erneuerbaren Energien, mit deren Hilfe die zukünftige weltweite Energieversorgung nachhaltig und klimaverträglich gesichert werden kann. In rund 130 Ländern wird sie inzwischen eingesetzt, um einzelne Gebäude oder ganze Städte mit Wärme zu versorgen. In knapp 30 Staaten stehen geothermische Kraftwerke zur Stromerzeugung. Viele weitere wollen ebenfalls die Vorteile der Energie aus dem Untergrund nutzen und planen eigene Anlagen – so wie auch in Chile.
Nachdem bereits 2009 ein Abkommen zwischen dem Land NRW, dem Internationalen Geothermiezentrum in Bochum (GZB) und den chilenischen Partnern unterzeichnet wurde, um in Chile ein Geothermiezentrum nach Bochumer Vorbild zu errichten, sind nun die ersten konkreten Schritte erfolgt.
In Santiago entsteht nun das ANDEAN GEOTHERMAL CENTER OF EXCELLENCE (CEGA) – ein Zentrum für alle Aspekte rund um die Geothermie.
Das CEGA ist ein Zusammenschluss der wichtigsten fünf Universitäten Chiles und soll die Triebfeder zur Erforschung und Nutzung der Geothermie in den Anden werden. Pate steht dabei das Internationale Geothermiezentrum aus Bochum (GZB). Die Universitäten Universidad de Chile, Pontificia Universidad Católica de Chile, Universidad Católica del Norte, Universidad de Atacama and Universidad de Concepción verfolgen das gemeinsame Ziel, das Wissen um die Nutzung der Geothermie in Chile und der Andenregion zu bündeln und zu erweitern, um den Einsatz der Geothermie als erneuerbare Energiequelle zu forcieren. Um dieses Vorhaben umzusetzen, erhielt das CEGA Fördermittel in Höhe von 5,5 Millionen Euro, nachdem es erfolgreich am 3. Wettbewerb FONDAP der Wissenschaftsförderungsagentur der chilenischen Regierung, CONICYT, teilnahm. Somit kann das zum Exzellenzzentrum für Forschung gewählte CEGA seinen Aufbau in den folgenden fünf Jahren finanzieren. Bei erfolgreichen Aktivitäten kann die Förderung um weitere fünf Jahre verlängert werden.
Unterstützung erhalten die chilenischen Kollegen dabei aus Bochum vom GZB. Das GZB, gegründet 2006, ist eine Verbundforschungseinrichtung der Wissenschaft und der Wirtschaft. Angesiedelt an der Hochschule Bochum stellen Hochschulen aus Deutschland (RWTH Aachen, FH Gelsenkirchen, Hochschule OWL) und dem internationalen Raum (University of Auckland/ Neuseeland, University of Zagreb / Kroatien) die universitären und assoziierten Träger. Neben weiteren Institutionen Öffentlichen Rechts (EnergieAgentur NRW, Bezirksregierung Arnsberg, Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr GmbH, Stadt Bochum und der IHK Mittleres Ruhrgebiet zu Bochum) sind über 20 Firmen der Geothermiebranche aktive Partner des GZB. In Bochum werden aktuelle Fragestellungen rund um die Nutzungsmöglichkeiten der Geothermie weiterentwickelt und erforscht.
Im Zuge der Internationalisierung der Aktivitäten des GZB wurde zwischen dem GZB und dem CEGA ein „Memorandum of understanding“ geschlossen, in welchem nun konkrete Schritte vereinbart wurde, wie die Kooperation in der Praxis aussehen soll. Unter anderem wird das INTERNATIONALE GEOTHERMIEZENTRUM eine Außenstelle in Santiago einrichten. Der Direktor der GZB, Prof. Rolf Bracke, versicherte anlässlich eines Besuchs in Chile, wie wichtig internationale Kooperationen sind „Zukünftig wird es immer wichtiger, dass sich weltweit alle Partner zum Thema Geothermie enger vernetzen. Das INTERNATIONALE GEOTHERMIEZENTRUM aus Bochum kann dabei eine Schlüsselrolle spielen.“
Das CEGA wird damit zu einem wichtigen Baustein in dem internationalen Geothermienetzwerk, das sich um Bochum bildet. Herzstück der Aktivitäten zwischen dem INTERNATIONALEN GEOTHERMEIZENTRUM in Bochum und den CEGA-Universitäten in Chile ist der Austausch von Köpfen – chilenische Studenten erhalten die Möglichkeit, in Bochum zu lernen, deutsche, die Situation im Andenstaat kennen zu lernen. Akademiker und Doktoranten arbeiten an gemeinsamen Projekten…
Bereits seit ein paar Monaten ist Hernan Olguin von der Technische Universität Federico Santa María in Bochum und wird hier in den nächsten vier Jahren seine Doktorarbeit erstellen. Forschungsthema des 24jährigen Maschinenbauabsolvent aus Valparaiso ist die Entwicklung einer innovativen geothermischen Sonden.
Nicht zuletzt erhofft sich Prof. Dr. Diego Morata, der Direktor des CEGA, auch Unterstützung durch und Kontakt zu deutschen Unternehmen der Geothermiebranche. Auch hier kann man von den Netzwerken aus Europa profitieren, wo seit 2005 intensive Kontakte zwischen dem GZB und Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgebaut wurden.
Vereinbart wurde außerdem, dass die neue Infrastruktur, welche momentan in Bochum errichtet wird, zukünftig auch von Forschern, Studierenden und Unternehmen aus Chile genutzt werden soll. Auf dem Campus der Hochschule Bochum wird derzeit das Internationale Geotechnikum errichtet. Zu der von Land NRW mit 11 Mio. Euro geförderten Einrichtung gehört neben dem Institut mit verschiedenen geowissenschaftlichen Laboratorien auch ein eigenes Bohrfeld als Feldlabor für Versuche unter produktionsnahen Bedingungen.
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Kontakt GZB:
Internationales Geothermiezentrum Bochum, Lennershofstraße 140, 44801 Bochum, www.geothermie-zentrum.de
Holger Born Tel.: 0234 32-10716, Fax: 0234 32-14070, E-Mail: Holger.Born(at)geothermie-zentrum.de
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