Analyse des deutschen Wärmepumpenmarktes

Analyse des deutschen Wärmepumpenmarktes

Absatzzahlen von Wärmepumpen von 1990 bis 2013

Projektzeitraum: 2013-2014

Die Europäische Union und die Bundesregierung haben angesichts limitierter Ressourcen fossiler Energieträger sowie der durch ihren Einsatz entstehenden hohen Emissionen an Kohlenstoffdioxid klare Ziele für eine schrittweise Energiewende und den Klimaschutz definiert. Ein wichtiger Bestandteil zur Erreichung der Ziele ist neben der energetischen Sanierung von Gebäuden und der Errichtung effizienter Neubauten auf Grundlage der Energieeinsparverordnung (EnEV) die Bereitstellung von Wärme durch erneuerbare Energien.

Hierbei stellt die Wärmepumpe eine für verschiedene Einsatzzwecke verwendbare Möglichkeit dar, die in der Umwelt gespeicherte Wärme aus Erdreich, Luft und Grundwasser bzw. alternativen Wärmequellen wie Abluft oder Abwasser unter Zuführung elektrischer oder thermischer Energie zur Bereitstellung von Nutzwärme und Trinkwarmwasser zu nutzen.

Ziel vorliegenden Studie war eine möglichst genaue, detaillierte und nach Wärmequellen und Betriebsart differenzierte Erfassung des Feldbestands der aktuell in der Bundesrepublik installierten Wärmepumpen und der von ihnen erzeugten Nutzwärme. Dabei wurde die Entwicklung der Anlagenbestände an Wärmepumpen unterschieden nach folgenden Kriterien dargestellt:

  • Art der genutzten Wärmequelle bzw. Antriebsart
  • Art der Anwendung
  • Leistungsklassen
  • Gebäudeart
  • Effizienz der Wärmepumpen

Dabei lag der Fokus auf den Jahren 2009 bis 2013. Neben der Betrachtung des aktuellen Anlagenbestandes werden aber in der Studie auch die Entwicklungen von 1990 bis 2008 in Grundzügen erläutert.

Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine Aktualisierung der vom International Geothermal Centre im Jahr 2010 veröffentlichten Wärmepumpen-Marktstudie.

Absatzzahlen und Anlagenbestand

Nach einem starken Anstieg der Absatzzahlen elektrischer Heizungswärmepumpen im Zeitraum 2006 bis 2008, in denen im Vergleich zu vorangegangenen Jahren mehr als doppelt so viele Anlagen verkauft wurden, und einem dann folgenden Rückgang, ist die Anzahl verkaufter Systeme seit 2011 wieder zunehmend. Im Jahr 2013 wurden 60.000 elektrische Heizungswärmepumpen verkauft. Im Vergleich zu 2012 entspricht dies einem Anstieg von weniger als 1 %. In den letzten Jahren ist ein deutlicher Trend zu Luft-Wasser-Wärmepumpen zu verzeichnen. Hinzu kommen 12.100 verkaufte Brauchwasser-Wärmepumpen, die ausschließlich zur Bereitstellung von Trinkwarmwasser eingesetzt werden sowie rund 1.300 gasbetriebene Wärmepumpen . Da diese Systeme erst vor einigen Jahren in den Markt eingeführt wurden, sind die Absatzzahlen im Vergleich zu den anderen Wärmepumpentypen noch relativ gering.

Insgesamt waren im Jahr 2013 ca. 760.000 Wärmepumpen (elektrische, gasbetriebene und Brauchwasser-Wärmepumpen) in Deutschland installiert. Dies entspricht in etwa einer Verdopplung des Wärmepumpenbestands seit der Jahrtausendwende.

Heizleistungen

Die durchschnittlichen Heizleistungen der derzeit in Deutschland installierten Wärmepumpen liegen für Luft-Wasser-Anlagen und Sole-Wasser-Anlagen bei 12 kW. Grundwasserbetriebene Wärmepumpen haben eine durchschnittliche Heizleistung von 16 kW. Aufgrund eines vorwiegenden Einsatzes im industriellen und gewerblichen Bereich weisen Gaswärmepumpen eine vergleichsweise hohe durchschnittliche Heizleistung von 37 kW auf. Reversible Wärmepumpen werden bislang überwiegend in Nichtwohngebäuden und gewerblichen Anwendungen genutzt, sodass die durchschnittliche Heizleistung höher liegt als bei nicht reversiblen Anlagen. Durch einen zunehmenden Dämmstandard von Gebäuden haben sich die Heizleistungen von elektrischen Wärmepumpen seit 1990 um durchschnittlich 5 kW verringert.

Anlagenstandorte

Im Jahr 2012 wurden 62 % der elektrischen Heizungswärmepumpen in Neubauten installiert. Für das Jahr 2013 geht der Bundesverband Wärmepumpe von einem Anteil von über 80 % aus. In den kommenden Jahren wird der Gebäudesanierung eine gesteigerte Bedeutung zukommen, sodass der Einsatz von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden nach einer zuletzt rückläufigen Entwicklung wieder zunehmen wird. Im Gebäudebestand werden oftmals Luft-Wasser-Wärmepumpen eingesetzt, da sie im Gegensatz zu einer für erdgekoppelte Anlagen erforderlichen umfangreichen Wärmequellenerschließung mit einem vergleichsweise geringen Aufwand installiert werden können.

Investitionskosten

Zu den Investitionskosten für Wärmepumpen gehören neben dem reinen Gerätepreis auch die Kosten für die Erschließung der Wärmequelle sowie für Montage und Material. Für die durch das Bundesamt für Wirtschafts- und Ausfuhrkontrolle (BAFA) geförderten Wärmepumpen-Anlagen lagen die durchschnittlichen Investitionskosten bei 17.800 € für Sole-Wasser-Wärmepumpen, ca. 15.100 € für Wasser-Wasser-Wärmepumpen und rund 13.900 € für Luft-Wasser- Wärmepumpen. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf die Installation von Wärmepumpen in Bestandgebäuden.

Technologie- und Nachfragetrends

Vor dem Hintergrund einer Umstrukturierung des Energienetzes hin zu einer dezentralen Versorgung kommt der intelligenten Verknüpfung und Steuerung von Energieerzeugern eine steigende Bedeutung zu. Ein wichtiger Bestandteil ist hierbei der flächendeckende Einbau intelligenter Messsysteme, sog. Smart Meter. Des Weiteren wird eine kombinierte Nutzung mehrerer Wärmeträger in Form von Hybridwärmepumpen zunehmend an Bedeutung erlangen. Als weitere Trendentwicklung kann die Erschließung alternativer Wärmequellen wie Abwasser sowie eine Erweiterung des Leistungs- und Temperaturspektrums bzw. ein vermehrter Einsatz von Groß-Wärmepumpen in Industrie und Gewerbe genannt werden.

Auftraggeber

Die vorliegende Studie wurde im Auftrag des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) durchgeführt. Das ZSW koordiniert auf Bundesebene die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien Statistik (AGEE-Stat). Dieses Fachgremium wurde im Februar 2004 vom Bundesumweltministerium im Einvernehmen mit dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundeslandwirtschaftsministerium eingerichtet, um Statistik und Daten der erneuerbaren Energien auf eine umfassende, aktuelle und abgestimmte Basis zu stellen.

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Zusätzliche Information

Infrastructure and Applications

GZB – International Geothermal Centre

Bochum University of Applied Sciences

Lennershofstrasse 140
44801 Bochum
Germany

Ansprechpartner

Dipl.-Geophys. Gregor Bussmann

Leiter der Abteilung Infrastructure and Applications

Raum: G1 1-007
Tel.: +49 (0)234 32-10794

Gregor Bussmann

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